Sehr überrascht war die Fraktion der Linkspartei im Bundestag über die Antwort der Bundesregierung zu den Arbeitsbedingungen im Einzelhandel. Denn anders als erwartet gaben die Antworten kein Bild des Elends ab, sondern die Bundesregierung stellt fest, dass die Beschäftigten des Einzelhandels der Branche selber gute Noten ausstellen: „Basierend  auf den Ergebnissen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung lässt sich überwiegend eine positive Entwicklung der Arbeitsbedingungen im Einzelhandel feststellen“, lautet das abschließende Fazit der Bundesregierung in der sehr ausführlichen Antwort.

Hier einige der Highlights für den Einzelhandel (bei vielen Antworten konnte die Bundesregierung nur Angaben für den Handel insgesamt machen, ohne Spezifizierung zwischen Groß- und Einzelhandel, sodass auf eine Darstellung hier verzichtet wird) auch im Vergleich zu der Gesamtwirtschaft:

Danach wurden 2014 im Einzelhandel 43 Prozent der befristet Beschäftigten (vorangegangene Zeitbefristungen und Sachgrundbefristungen) nach Beendigung der Befristung in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis übernommen (Gesamtwirtschaft: 37 Prozent). Der Anteil der Zeitarbeitnehmer an den Beschäftigten im Einzelhandel betrug 2014   0,5 Prozent, ist also absolut zu vernachlässigen (Gesamtwirtschaft: 1,4 %). Auch die festgestellten durchschnittlichen Bruttostundenverdienste von vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern liegen im Einzelhandel  mit 15,70 € fast doppelt so hoch wie der gesetzliche Mindestlohn.

Gute Ergebnisse auch bei den Arbeitsbedingungen: Nach Angaben der Beschäftigten in den amtlichen Umfragen nehmen im Vergleich zur Gesamtwirtschaft im Einzelhandel Termin- und Leistungsdruck eher ab, es gibt nur selten Vorgaben in Bezug auf Stückzahlen, Leistung oder Zeit, eine rückläufige Tendenz bei Steharbeitsplätzen und deutlich seltener Arbeiten unter sog. schwierigen Umgebungsbedingungen. Positive Entwicklungen verzeichnet die BIBB/BAuA-Untersuchung auch bei der Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung im Einzelhandel („tendenziell eher Rückgänge“).

Da ist es keine große Überraschung, dass bei der Frage der Zufriedenheit mit dem Betriebsklima der Einzelhandel im Branchenvergleich einen Spitzenplatz einnimmt (9 von 10 sind zufrieden, die Hälfte sogar sehr zufrieden). Nur eine war mit den Antworten nicht zufrieden: Die Linkspartei selber. Denn leider gilt hier scheinbar immer noch das Prinzip „only bad news are good news“.

Die Bundestags-Drucksache 18/7325 finden Sie hier.

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