Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) und der Handelsverband Deutschland (HDE) warnen vor den Folgen vielerorts steigender Leerstände und einer Verödung der Innenstädte. Beide Verbände haben deshalb eine „Allianz für Innenstädte“ gegründet. „Wir müssen den Niedergang unserer Innenstädte verhindern und diese als vitale Orte der Kommunikation erhalten. Lebendige Innenstädte und Ortskerne stehen für Lebensqualität vor Ort“, erklärte DStGB-Hauptgeschäftsführer Dr. Gerd Landsberg. „Wenn wir jetzt nicht handeln, könnten viele Stadtzentren veröden und zehntausende Handelsstandorte wegfallen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Der Einzelhandel steckt in einem großen Umbruch. Grund dafür ist die demografische Entwicklung und besonders die voranschreitende Digitalisierung, die vielerorts Geschäftsmodelle in Frage stellt. Für das Jahr 2017 schätzt der HDE den Online-Umsatz in Deutschland auf knapp 49 Milliarden Euro.

Um die Innenstädte angesichts der aktuellen Herausforderungen fit für die Zukunft zu machen, ziehen Handel und Kommunen an einem Strang. „Händler und Kommunen müssen die Chancen der Digitalisierung nutzen. Es geht darum, den Kunden mit neuen Services echten Mehrwert anzubieten“, so Genth. Neben der Online-Warenpräsentation gehören hierzu digitale Produktinformationen oder mobile Bezahlsysteme. Lokale Plattformen, auf denen Einzelhändler ihre Produkte und Dienstleistungen online präsentieren, können ebenfalls einen positiven Beitrag leisten.

„Auch die Städte und Gemeinden können durch gestalterisch gelungene Einkaufsstraßen, Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, gute Wegebeziehungen zwischen den Einzelhandelslagen, einen leistungsstarken ÖPNV und ein gutes Parkplatzangebot den Rahmen für einen vitalen Innenstadthandel setzen. Dazu gehört auch die Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit“, stellte Dr. Landsberg heraus.

Die „Stärkung der Mitte“ gehe aber auch die Bürger und Bürgerinnen an. Sie könne nur in enger Abstimmung mit allen Innenstadtakteuren gelingen. „Die Eigentümer von Handelsimmobilien sind aufgefordert, eine angemessene Mietpreispolitik zu betreiben. Sie müssen vermehrt neue Formen, wie etwa frequenzabhängige Mietenstaffelungen, umsetzen. Dies kann gerade den inhabergeführten und stationären Einzelhandel stützen und zu einer Stabilisierung der Innenstädte beitragen“, betonten Dr. Landsberg und Genth.

DStGB und HDE fordern außerdem eine Reform bei den Ladenöffnungszeiten. „Wir brauchen Rechts- und Planungssicherheit für offene Sonntage. Bei grundsätzlicher Wahrung der Sonn- und Feiertagsruhe muss den Kommunen gemeinsam mit dem Einzelhandel vor Ort eigenständig die Entscheidungsfreiheit gegeben werden, auch die Anzahl verkaufsoffener Sonntage festzulegen“, so Dr. Landsberg und Genth.

Beide Verbände lehnen zudem Fahrverbote für Innenstädte ab. Statt nur an Symptomen zu kurieren, müsse ein Masterplan Verkehrswende die Mobilität von Menschen und Gütern und die Lebendigkeit der Innenstädte gewährleisten. Dazu sollten die Hersteller als Verursacher der Schadstoffbelastung die Fahrzeuge umrüsten. Statt einer kaum in Anspruch genommenen Prämie beim Kauf von Elektroautos für alle plädieren DStGB und HDE weiterhin für eine gezielte Förderprämie zugunsten des innenstadtrelevanten Handels und des Handwerks.

Der für den Handel relevante innerstädtische Lieferverkehr muss zudem optimiert werden. Emissionsarme Lösungen, wie Sammeldepots für Paket- und Zustelldienste an verträglichen Standorten außerhalb der Innenstädte mit anschließender Anlieferung der Waren durch Elektrofahrzeuge oder Lastenfahrräder, müssen ausgeweitet werden.

Der DStGB hat gemeinsam mit dem HDE die „Allianz für Innenstädte“ gegründet. Darin werden die Herausforderungen für Städte und Handel, insbesondere aus der Digitalisierung, mit allen relevanten Akteuren diskutiert.

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