Die Tarifbindung im Einzelhandel stabilisiert sich weiter. Das geht aus einer aktuellen, jĂ€hrlich erscheinenden Veröffentlichung des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Demnach lag die Anzahl der EinzelhandelsbeschĂ€ftigten bei einem tarifgebundenen Arbeitgeber mit Branchen- oder Haustarifvertrag im Jahr 2021 bei 28 Prozent. Nachdem im vergangenen Jahr sogar ein leichter Zuwachs bei der Tarifbindung in der Branche um ein Prozent zu verzeichnen war, stabilisiert sich der Branchenwert im Zweijahresvergleich bei 28 Prozent.

„BranchenĂŒbergreifend war die Tarifbindung ĂŒber viele Jahre immer etwas rĂŒcklĂ€ufig. Daher ist diese Stabilisierung im Einzelhandel bemerkenswert. Zu bedenken ist schließlich auch, wie angespannt die finanzielle Lage fĂŒr große Teile der Branche in den vergangenen beiden Jahren pandemiebedingt war und weiterhin ist“, so Steven Haarke, HDE-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Arbeit und Soziales. Umso erfreulicher sei es, dass die IAB-Daten das ansteigende Interesse der Unternehmen vor allem auch an den BranchentarifvertrĂ€gen belegten.

Dennoch ist der im aktuellen Koalitionsvertrag angekĂŒndigte Dialog der Politik mit den Sozialpartnern zur StĂ€rkung der Tarifbindung aus Sicht des HDE wichtig und zielfĂŒhrend. Der Verband stehe bereit, sich in den Dialog einzubringen. „Als Arbeitgeber haben wir bereits in der Vergangenheit konstruktive VorschlĂ€ge unterbreitet, wie sich die Tarifbindung wieder effektiv steigern lĂ€sst, ohne dabei aber die Tarifautonomie zu beschĂ€digen“, betont Haarke. So benötigten die Tarifpartner zunĂ€chst wieder mehr Handlungsspielraum, um im vollen Umfang gestalterisch tĂ€tig werden zu können. Dies setze zum einen voraus, dass nicht immer mehr traditionelle Gestaltungsfelder der Tarifpolitik durch den Gesetzgeber abschließend geregelt wĂŒrden. Zum anderen mĂŒsse den Tarifvertragsparteien noch hĂ€ufiger als bisher durch zusĂ€tzliche Öffnungsklauseln die Möglichkeit eingerĂ€umt werden, in TarifvertrĂ€gen vom gesetzlichen Status quo abzuweichen. „Die Tarifpartner könnten dann praxisnahe und zeitgemĂ€ĂŸe TarifvertrĂ€ge vereinbaren, die den Unternehmen einen echten Mehrwert bieten. In der Folge wĂŒrde die AttraktivitĂ€t von TarifvertrĂ€gen insbesondere im Mittelstand wieder deutlich ansteigen“, so Haarke weiter.

BranchenĂŒbergreifend waren in Deutschland 2021 noch immer 52 Prozent der Arbeitnehmer in einem tarifgebundenen Unternehmen beschĂ€ftigt. Dies entspricht fĂŒr 2021 gesamtwirtschaftlich im Vorjahresvergleich sogar einem leichten Zuwachs von einem Prozent (2020: 51 Prozent).

via Handelsverband Deutschland (HDE) – Aktuelle Meldungen