Eine Analyse der Mietpreisentwicklung offenbart eine Steigerung der Mieten in 1A ‚Äď Lagen im bundesweiten Durchschnitt um 3,25 Prozent, Mieten f√ľr Ladenfl√§chen in 1B-Lagen der Nebenkerne sind dagegen um durchschnittlich 2,5 Prozent zur√ľckgegangen. In den Gro√üst√§dten mit mehr als 300.000 Einwohnern sind die Mieten in den 1A-Fl√§chen der Gesch√§ftskerne um fast f√ľnf Prozent gestiegen, in den Kleinst√§dten mit weniger als 30.000 Einwohnern sind sie um knapp 1,4 Prozent gefallen.

Die h√∂chsten Einzelhandelsmieten werden mit gro√üem Abstand in M√ľnchen gezahlt. Mit 320 Euro pro Quadratmeter liegt die Schwerpunktmiete 130 Euro vor den zweitplatzierten St√§dten Frankfurt am Main und Stuttgart mit jeweils 190 Euro pro Quadratmeter.‚Äú (EHI)

Die Mietpreisentwicklung im deutschen Einzelhandel ist daher sehr heterogen, je nachdem ob es sich um einen starken oder schwachen Standort handelt. Festzustellen ist eine unterschiedliche Betroffenheit vom Strukturwandel im Handel zwischen St√§dten unterschiedlicher Gr√∂√üe und Funktion (Metropolen/Gro√üst√§dten, Klein- und Mittelst√§dte) und Lage im Raum (verst√§dterter Raum, l√§ndlicher Raum). Hinzu kommen allerdings erhebliche individuelle Unterschiede, die dazu beitragen k√∂nnen, dass auch eine Gro√üstadt im Handelsbereich nicht ‚Äěrichtig funktionieren‚Äú kann. Ebenso gibt es Mittelst√§dte mit einem attraktiven Handelsangebot au√üerhalb der Gro√üstadtregionen. Konsens herrscht dar√ľber, dass die 1A-Lagen nicht negativ von den Auswirkungen des Online-Handels beeintr√§chtigt werden.

Bei der Betrachtung der Mietpreisentwicklung im Einzelhandel ist zudem beachtlich, dass an vielen schwachen Standorten bislang vom Einzelhandel genutzte Fl√§chen nicht weiter betrieben werden, so dass andere, weniger renditetr√§chtige Nachnutzungen einziehen. Die alleinige Aussage √ľber die Mietpreisentwicklung im Einzelhandel reicht daher f√ľr eine fundierte Betrachtung nicht aus, da die Nachnutzungen meist nicht in der Lage sind, die bisherigen einzelhandelsbezogenen Mieterwartungen zu erf√ľllen. Durch diese Mindereinnahmen, oder im schlimmsten Fall durch den dauerhaften Leerstand, muss auch der Wert der Geb√§ude nach unten korrigiert werden, so dass in der Summe auch ein volkswirtschaftlicher Schaden entstehen kann.

Die sinkenden Mieteinnahmen haben auch eine enge Korrelation zu den sinkenden Frequenzen an den schwachen ¬†Standorten und somit den sinkenden Ums√§tzen des Handels. Diese Umsatzeinbu√üen beziehen sich jedoch meist nicht ausschlie√ülich auf den Handel, sondern auch auf weitere, symbiotisch von den handelsinduzierten Frequenzen abh√§ngigen Wirtschaftsbereiche wie die Gastronomie oder Dienstleistungen. Der Bedeutungsverlust der ‚ÄěLeitbranche Handel‚Äú ist somit meist gekoppelt an einen Bedeutungsverlust des gesamten Standortes mit weitreichenden Folgen f√ľr die Entwicklungsperspektiven der Standorte/St√§dte.

Michael Reink

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