Mit Blick auf den heutigen Aktionstag der Bauern macht der Handelsverband Deutschland (HDE) deutlich, dass lediglich 37 Prozent der in Deutschland produzierten Milch in den Lebensmitteleinzelhandel fließen. Fast die HĂ€lfte (49%) geht dagegen in den Export, andere Teile in die Weiterverarbeitung.

„Von einer einseitigen AbhĂ€ngigkeit der Milchwirtschaft vom Lebensmitteleinzelhandel kann keine Rede sein“, so HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth. Die Einzelhandelspreise könnten nicht fĂŒr die Probleme der Bauern verantwortlich gemacht werden. Ursachen seien vielmehr ÜberkapazitĂ€ten durch staatliche Überförderung und einbrechende MĂ€rkte wie China. Die Verbraucherpreise fĂŒr Milch hĂ€tten sich zwischen 2010 und 2014 bei frischer Milch um 24 Prozent erhöht. Der 2015 deutlich gesunkene Milchpreis im Regal werde nun von den BauernverbĂ€nden in Deutschland und Europa dafĂŒr genutzt, um die wirtschaftliche Misere der Erzeuger an der Preispolitik des Einzelhandels festzumachen. Dabei lĂ€gen die Verkaufspreise trotz des PreisrĂŒckgangs in 2015 noch immer deutlich ĂŒber dem Niveau von 2010, bei Frischmilch beispielsweise um elf Prozent.

„Der Lebensmittelhandel sieht sich als Partner der Landwirtschaft“, so Genth weiter. Schon heute kĂ€men schĂ€tzungsweise 80 Prozent der Frischwaren aus deutscher Produktion. Die Kunden seien bereit, einen höheren Preis fĂŒr einen erkennbaren Mehrwert zu zahlen, so zum Beispiel fĂŒr qualitativ hochwertige und nachhaltige, tierwohlgerecht hergestellte Lebensmittel. Hier lĂ€ge eine große Chance, neben der exportorientierten Massenproduktion auch eine höhere Wertschöpfung durch mehr Nachhaltigkeit in der Nahversorgung zu erzielen.