Ein Kommentar von Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitk

Der Diesel und sein Schadstoffaussto√ü stehen weiter im Zentrum der politischen Debatte. Und das v√∂llig zu Recht. So richtig und wichtig das Thema und die Diskussionen √ľber m√∂gliche Ma√ünahmen zur Luftreinhaltung in Innenst√§dten sind, so falsch sind aber auch Ideen zur Einf√ľhrung einer City-Maut oder von Fahrverboten. Denn diese Einschr√§nkungen bestrafen die falschen und konterkarieren alle Bem√ľhungen um vitale Innenst√§dte. Die Diesel-Fahrer k√∂nnen wohl am wenigsten f√ľr die Manipulation ihrer Fahrzeuge und die T√§uschung in Bezug auf die Schadstoffwerte. Diesen Schlamassel haben eindeutig die Fahrzeughersteller angerichtet und jetzt bitte sch√∂n auch zu verantworten. Da w√§re es schlicht ungerecht, jetzt die Autofahrer mit einer City-Maut zur Kasse zu bitten.

Doch nicht nur das Gerechtigkeitsempfinden spricht gegen die City-Maut oder Fahrverbote. Auch der gesunde Menschenverstand macht schnell deutlich, dass diese Ma√ünahmen kontraproduktiv w√§ren. Denn in der Folge ger√§te der Standort Innenstadt in massive Probleme. Ja, die Kunden des innenst√§dtischen Handels k√∂nnten dann auf den √∂ffentlichen Personennahverkehr umsteigen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Menschen auf die Gr√ľne Wiese fahren oder im Internet shoppen. Diese Ver√§nderung des Einkaufsverhaltens h√§tte deutlich sp√ľrbare Auswirkungen: Eine Verlagerung der Einkaufswege an die Peripherie ist automatisch mit l√§ngeren Wegen und h√∂herem Energieverbrauch verbunden. Auch die Versorgung √ľber den Online-Handel stellt kein emissionsneutrales Verbraucherverhalten dar, da erstens die Retouren zu zus√§tzlichen Fahrten f√ľhren und zweitens die gewonnene Zeit erfahrungsgem√§√ü oft f√ľr zus√§tzliche Fahrten zur Freizeitgestaltung genutzt wird. Das Verkehrsaufkommen insgesamt mit allen Schafstoffausst√∂√üen steigt also in der Folge eher. Hinzu kommt, dass die erheblichen Anstrengungen der Kommunen, der L√§nder und des Bundes zur Vitalisierung unserer Innenst√§dte infrage gestellt w√§re. Und da steht eine Menge auf dem Spiel: 1971 wurde die St√§dtebauordnung eingef√ľhrt, die derzeit 790 Millionen Euro j√§hrlich zur St√§rkung von Innenst√§dten und Ortszentren in ihrer st√§dtebaulichen Funktion bereitstellt. Jeder Euro aus der St√§dtebauf√∂rderung generiert dabei einen Multiplikationseffekt von 4,5 Euro privater Investitionen. Wer eine City-Maut oder Fahrverbote fordert, nimmt daher ein stadtentwicklungs- sowie emissionspolitisches Desaster in Kauf und unterminiert die erfolgreiche Arbeit zur optimalen Versorgung der Bev√∂lkerung sowie der Entwicklung unserer Innenstadtkerne.

via Handelsverband Deutschland (HDE) – Aktuelle Meldungen