Die im Referentenentwurf eines Weiterbildungsgesetzes des Bundesministeriums f√ľr Arbeit und Soziales (BMAS) vorgesehenen Instrumente f√ľr mehr Aus- und Weiterbildung sieht der Handelsverband Deutschland (HDE) √ľberwiegend kritisch. Mit Blick auf den sich in allen Branchen zuspitzenden Arbeits- und Fachkr√§ftemangel kann insbesondere die Bildungs(teil)zeit nach Einsch√§tzung des Verbandes unn√∂tig Anreize f√ľr mehr Teilzeit setzen. Einige Aspekte, die unter den Begriff einer sogenannten Ausbildungsgarantie fallen, k√∂nnen laut HDE hingegen n√ľtzlich sein.

Die neue Bildungs(teil)zeit nach √∂sterreichischem Vorbild soll die existierenden F√∂rderinstrumente zur Weiterbildung von Besch√§ftigten erg√§nzen. Geplant ist, dass Besch√§ftigte ihre Arbeit f√ľr bis zu ein Jahr zum Zweck einer Weiterbildung aussetzen beziehungsweise ihre aktuelle Arbeitszeit f√ľr bis zu zwei Jahre zum Zweck einer Weiterbildung reduzieren k√∂nnen. In dieser Zeit wird durch die Bundesagentur f√ľr Arbeit der Entgeltausfall in H√∂he des Arbeitslosengeldes ersetzt, also 60 Prozent f√ľr Alleinstehende oder 67 Prozent mit Kind. Die Bildungs(teil)zeit soll nach Ansicht des Bundesarbeitsministeriums Besch√§ftigte dabei unterst√ľtzen, ihre beruflichen Entwicklungsm√∂glichkeiten eigenst√§ndig umzusetzen. ‚ÄěWichtig ist, dass die Bildungsteilzeit nach dem Entwurf eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber voraussetzt. Dabei muss es bleiben, um eine organisatorische √úberforderung von Arbeitgebern zu verhindern‚Äú, so HDE-Hauptgesch√§ftsf√ľhrer Stefan Genth. Au√üerdem sei es systemwidrig, dass die Finanzierung der Bildungs(teil)zeit ausschlie√ülich √ľber die Bundesagentur f√ľr Arbeit laufen solle. ‚ÄěBeitragssteigerungen in der Arbeitslosenversicherung sind hierf√ľr nicht gerechtfertigt. Die Finanzierung muss wenn dann aus Steuermitteln erfolgen‚Äú, so Genth weiter. Sehr kritisch sei zudem zu bewerten, dass der Gesetzgeber mit der neuen Bildungsteilzeit wegen des Arbeits- und Fachkr√§ftemangels fatale Fehlanreize f√ľr mehr Teilzeit setzen k√∂nnte.

Auch die Schaffung einer sogenannten Ausbildungsgarantie ist aus Sicht des HDE aktuell nur schwer nachvollziehbar. Denn in der Praxis √ľbersteigt das Angebot an Ausbildungspl√§tzen die Anzahl an Bewerbern deutlich. Zudem wird die demografische Entwicklung die Problematik um unbesetzte Ausbildungsstellen zuk√ľnftig noch weiter versch√§rfen, so verzeichne die Bundesagentur f√ľr Arbeit bereits seit 2017 in ihrer Ausbildungsmarktstatistik einen Bewerberr√ľckgang. ‚ÄěEine Ausbildungsgarantie in Form einer Ausweitung des bestehenden au√üerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebotes macht aktuell keinen erkennbaren Sinn. Die betriebliche Ausbildung muss klar Vorrang haben, damit die Betriebe ihre angebotenen Stellen besetzen k√∂nnen‚Äú, betont Genth. Ziel m√ľsse es sein, dass die Berufliche Bildung gesamtgesellschaftlich endlich einen h√∂heren Stellenwert erhalte und die guten Karrierechancen mit einer Ausbildung besonders im Einzelhandel noch deutlicher herausgestellt werden. Verschiedene zus√§tzliche Elemente, die sich hinter dem Begriff der Ausbildungsgarantie im Entwurf verbergen, begr√ľ√üt der HDE hingegen. Sinnvoll seien die angestrebte Flexibilisierung bei der Einstiegsqualifizierung sowie die Einf√ľhrung eines Berufsorientierungspraktikums.

Der HDE hat sich mit einer differenzierten Stellungnahme an der Verbändeanhörung zum Referentenentwurf eines Weiterbildungsgesetzes beteiligt.

Zur Stellungnahme: https://bit.ly/3WiMGXQ

via Handelsverband Deutschland (HDE) – Aktuelle Meldungen