Die verpflichtende EinfĂŒhrung der elektronischen Rechnung im GeschĂ€ftsverkehr bewertet der Handelsverband Deutschland (HDE) grundsĂ€tzlich positiv und als weiteren Schritt in die Digitalisierung. Die entsprechende gesetzliche Änderung ist Teil des Wachstumschancengesetzes.

„Die elektronische Rechnung, ergĂ€nzt um ein spĂ€teres Meldesystem an die Finanzbehörden, kann zu einer effizienteren Rechnungsabwicklung und besseren BekĂ€mpfung des Umsatzsteuerbetrugs fĂŒhren. DafĂŒr bedarf es allerdings dann auch einer praxisgerechten EinfĂŒhrung dieser Systeme“, so HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth.

Und da sieht der HDE noch einigen Verbesserungsbedarf. So stuft der Handelsverband die EinfĂŒhrung der verpflichtenden elektronischen Rechnung bis 2025 fĂŒr alle Unternehmen als verfrĂŒht ein, selbst wenn durch Übergangsregelungen zu diesem Zeitpunkt nur eine Empfangsbereitschaft hergestellt werden muss. Genth: „Aus unserer Sicht kann die verpflichtende elektronische Rechnung erst eingefĂŒhrt werden, wenn die angekĂŒndigte staatliche Plattform zur Übermittlung elektronischer Rechnungen arbeitsfĂ€hig oder zumindest ein staatliches Tool zur Sichtbarmachung des Datensatzes verfĂŒgbar ist. FĂŒr die Umsetzung dieser Maßnahmen sind aber noch keine PlĂ€ne bekannt.“

WĂ€hrend die staatliche Plattform vor allem fĂŒr mittelstĂ€ndische EinzelhĂ€ndler wichtig ist, nutzen große Handelsunternehmen die elektronische Rechnung schon lĂ€nger höchst intensiv und haben dafĂŒr mit viel Geld IT-Infrastrukturen aufgebaut. DafĂŒr nutzen sie in der Regel die EDIFACT-Standards, die von dem United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business (UN-CEFACT) entwickelt wurden. Die Nutzung dieser bestehenden Standards wird durch den deutschen Gesetzentwurf spĂ€testens 2028 allerdings de facto unmöglich, denn kĂŒnftig sollen nur noch die Standards nach der europĂ€ischen Norm fĂŒr die elektronische Rechnungsstellung und der Liste der entsprechenden Syntaxen gemĂ€ĂŸ der Richtlinie 2014/55/EU zulĂ€ssig sein. Dies ist fĂŒr die betroffenen Unternehmen des Einzelhandels absolut unverstĂ€ndlich, zumal das Gesetz dafĂŒr keinerlei BegrĂŒndung enthĂ€lt.

Neben der deutschen Regelung, mit der die UN-Verfahren nicht mehr zulĂ€ssig sind, kommt 2028 voraussichtlich eine EU-Richtlinie fĂŒr die E-Rechnung in der gesamten EU. Den Richtlinienvorschlag gibt es schon. Demnach wĂ€ren auch die UN-Standards zulĂ€ssig – nicht als allgemeiner Standard, sondern wie heute auch, nur wenn die GeschĂ€ftspartner sich vertraglich darauf verstĂ€ndigen. Um Planungssicherheit und Klarheit zu schaffen, setzt sich der HDE dafĂŒr ein, die UN-Standards im bundesdeutschen Gesetz zuzulassen und das Gesetz genauso formulieren wie die EU-Richtlinie. Genth: „Das Wachstumschancengesetz darf bei den technischen Vorgaben fĂŒr die elektronische Rechnung keinen nationalen Sonderweg vorsehen, sondern sollte sich bereits jetzt an die EU-Richtlinie halten. Alles andere sorgt fĂŒr unnötige Unsicherheiten und Komplikationen.“

via Handelsverband Deutschland (HDE) – Aktuelle Meldungen