In der Debatte um das Wachstumschancengesetz mahnt der Handelsverband Deutschland (HDE) zu einer praxisnahen Ausgestaltung der Vorgaben fĂŒr die verpflichtende EinfĂŒhrung der elektronischen Rechnung im B2B-GeschĂ€ftsverkehr. Die E-Rechnung kann, ergĂ€nzt um ein spĂ€teres Meldesystem an die Finanzbehörden, eine effizientere Rechnungsabwicklung im Einzelhandel und eine bessere BekĂ€mpfung des Umsatzsteuerbetrugs durch die Finanzbehörden fördern. Hierbei kommt es laut HDE insbesondere auf eine praxisgerechte EinfĂŒhrung der Systeme an, denn die Situation der Einzelhandelsunternehmen ist höchst unterschiedlich.

„Die elektronische Rechnung ist ein weiterer Schritt in die Digitalisierung. Sie bis 2025 verpflichtend fĂŒr den GeschĂ€ftsverkehr zwischen Unternehmen einzufĂŒhren, ist aber verfrĂŒht“, so HDE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Stefan Genth. Eine Pflicht zur elektronischen Rechnung sei erst dann in der Praxis umsetzbar, wenn auch die angekĂŒndigte staatliche Plattform zur Übermittlung elektronischer Rechnungen arbeitsfĂ€hig sei. „Zumindest muss ein staatliches Tool zur Sichtbarmachung des Datensatzes verfĂŒgbar sein. Hierzu ist aber noch nichts bekannt“, so Genth weiter. Unter diesen UmstĂ€nden wĂŒrde die Pflicht zur E-Rechnung gerade im mittelstĂ€ndischen Einzelhandel in der Praxis scheitern.

Große Handelsunternehmen haben hingegen bereits ihre gesamte Lieferkette digitalisiert. Dies reicht von der digitalen Bestellung ĂŒber die Kommunikation bei deren Bearbeitung bis hin zur digitalen Rechnung. „Viele HĂ€ndlerinnen und HĂ€ndler haben bereits in die entsprechende IT-Infrastruktur investiert und die digitale Rechnung ist nur ein Teil eines grĂ¶ĂŸeren Gesamt-Systems“, so Genth. In der Regel werden im Handel die EDIFACT-Standards genutzt, die von dem United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business (UN-CEFACT) entwickelt wurden. „Mit dem deutschen Gesetzentwurf wird die Nutzung der bestehenden Standards spĂ€testens 2028 de facto unmöglich, da nur noch die Standards nach der europĂ€ischen Norm fĂŒr die elektronische Rechnungsstellung zulĂ€ssig sein sollen“, so Genth weiter. Dieses Vorgehen sei nicht nachvollziehbar. Dies gilt umso mehr, weil in der GesetzesbegrĂŒndung zu den entscheidenden Passagen des Wachstumschancengesetzes keinerlei ErklĂ€rung zum Vorgehen des Gesetzgebers enthalten ist.

DarĂŒber hinaus kommt voraussichtlich 2028 eine EU-Richtlinie fĂŒr die E-Rechnung in der gesamten EU. Im Richtlinienvorschlag ist vorgesehen, dass auch die EDIFACT-Standards zulĂ€ssig sind. Und auch andere EU-Mitgliedstaaten, die ebenfalls verpflichtende E-Rechnungen einfĂŒhren, lassen diese Standards weiter zu. „Die Frage ist, welche Verbesserungen die Bundesregierung bei der BekĂ€mpfung des Mehrwertsteuerbetrugs durch die Abschaffung bestehender Standards sieht, die andere Mitgliedsstaaten und die EU-Kommission anscheinend nicht erkannt haben“, sagt Genth.

So kommen die EDIFACT-Rechnungen bei grenzĂŒberschreitenden Lieferungen innerhalb der EU in jedem Fall nach Deutschland und die deutschen Handelsunternehmen mĂŒssen sie verarbeiten. Diese Rechnungen mĂŒssen dann auch an die Finanzbehörden gemeldet und in die Risikoanalyse-Systeme der Mitgliedstaaten einfließen. Das gilt auch in Deutschland, wenn Deutschland grenzĂŒberschreitende KarussellgeschĂ€fte wirksam bekĂ€mpfen und potenzielle BetrĂŒger identifizieren will. „Ein nationaler Alleingang bei den technischen Vorgaben fĂŒr die elektronische Rechnung ist daher nicht sinnvoll. Um Unsicherheiten und Komplikationen zu vermeiden, sollten sich die nationalen Vorgaben bereits heute am EU-Richtlinienvorschlag orientieren und die bestehenden Standards im bundesdeutschen Gesetz weiter zulassen“, so Genth.

via Handelsverband Deutschland (HDE) – Aktuelle Meldungen